Werkstattgebäude Theodor-Litt-Schule | Wettbewerb | 2. Platz

Giessen | Deutschland

Entwurf
ZRS Architekten & Bruno Röver
Tragwerksplanung
ZRS Ingenieure
Modellbau
González Modellbau
Visualisierung
bloomimages

Das neue Werkstattgebäude der Theodor-Litt-Schule besetzt den Platz des abzureißenden Gebäudes. Der Neubau ist zweigeschossig, zeichnet sich aber nach außen ambivalent dreigeschossig in gleicher Höhe wie das Hauptgebäude ab. Dabei hat das oberste „Geschoss“ – die vielfach nutzbare Dachfläche als Garten- und Unterrichtsfläche unter freiem Himmel – keine Decke. 
Im Zusammenspiel mit dem Hauptgebäude wird der gestaltete Vorbereich der Schule als städtischer Platz gefasst. Gleichzeitig entsteht im rückwärtigen Bereich ein großer begrünbarer Freibereich für Pausen, weitere Projektflächen und Sport. 
Der Neubau ist so konzipiert, dass eine Verzahnung mit dem umgebenden Außenraum entsteht.

Das neue Werkstattgebäude der Theodor-Litt-Schule in Gießen steht buchstäblich auf dem Fundament des Vorgängerbaus. Anstatt konventionell rückzubauen und Bauschutt abzufahren, um anschließend eine ähnliche Menge Beton anzufahren, wird die komplette Gründung ertüchtigt und nachgenutzt. D.h. der Bestand wird nur bis zur Bodenplatte / Decke über Kriechkeller selektiv zurückgebaut, die Fundamente an erforderlichen Stellen durch Kopplung zu Streifenfundamenten verbessert.

Das neue Werkstattgebäude zeichnet sich durch hohe Flexibilität und Adaptionsfähigkeit aus. Die vorrangige Nachnutzungsoption liegt also beim Gebäude als Ganzes. Ist der Bedarf für ein solches Haus an dieser Stelle in ein paar Jahrzehnten aber trotzdem nicht mehr gegeben, dient das Gebäude als Bauteil-Ressource. Es wird mit reversiblen Verbindungen und rezyklierbar konstruiert. So kann es am Ende seines Nutzungszyklus in einzelne Bauteile zerlegt werden, die an anderer Stelle eine neue Nutzung erfahren und „wieder Haus werden“.

Das Gebäude bietet eine hochflexible und -variable Grundstruktur als Holzskelettbau, die mit 10 bis 20 Meter (beidseitig belichtet) tiefen Zonen zu Veränderung und Fortschreibung des Raumangebots einlädt. Entsprechend ist die überwiegend offen unter der Decke geführte Technik einfach umzurüsten.
Auf der Dachfläche ergeben sich mit den großen Gärten, der SHK-Außenfläche und der Möglichkeit für Freiluftklassen zusätzliche Raumangebote. 
Das ganze Gebäude regt zur aktiven Aneignung durch die Mitglieder der Schule an: Vielleicht stellen die Bienenfreunde die Körbe aufs Dach, vielleicht werden in der Holzwerkstatt Nistmöglichkeiten für unterschiedlichste Vogel- und Fledermausarten gebaut und am Stahlgerüst befestigt, vielleicht baut die Metallwerkstatt eine Saftpresse, um die Obsternte der Dachgärten in Flaschen zu bringen, usw. usf.